Zu Besuch beim Bundesnachrichtendienst in Pullach

Jahrzehntelang war der Sitz des Bundesnachrichtendienstes (BND) in Pullach geheimnisumwoben, nicht einmal die örtliche Bevölkerung war in die Tätigkeiten hinter den hohen Mauern eingeweiht. Daher folgten viele Mitglieder der FDP München Süd, darunter die Landtagskandidatin Sabrina Böcking, Anfang Oktober sehr gern einer Einladung durch Herrn Willkomm.

Nach der Begrüßung in der „Präsidentenvilla“ und einer kurzen Einweisung in die Liegenschaften wurde auf die Geschichte und die Präsidenten eingegangen. Die Siedlung wurde vor über 80 Jahren in der NS-Zeit gegründet, viele Gebäude sind originalgetreu erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Nach dem Krieg wurde die Liegenschaft durch die Amerikaner genutzt,  erst für die Operation Gehlen, bevor am 01. April 1956 der BND gegründet und die Liegenschaft an Deutschland übergeben wurde. Im Kaminsaal der Villa mit schwerer Holztäfelung hängen neben Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier die Fotos der ehemaligen BND Präsidenten. An diesen kann die Weiterentwicklung und politische Ausrichtung der Behörde abgelesen werden, so wehte mit Klaus Kinkel (1979 – 1982) und Gerhard Schindler (2011 – 2016) zeitweise auch ein liberaler Wind in Pullach.

Bei einem Spaziergang durch den ruhigen, fast verschlafenen Bereich, der von vielen hohen Buchen umsäumt ist, konnte man die Architektur der 1930er Gebäude als auch Bronzeskulpturen in Augenschein nehmen. Nach dem großen Umzug in den neu gebauten Hauptsitz Berlin mit ca. 4000 Mitarbeitern wird die Liegenschaft auf ca. 1200 Mitarbeiter reduziert, hauptsächlich bestehend aus dem IT Zentrum. Interessant wird die Übergabe eines Großteils des Geländes an die Gemeinde Pullach, welcher aufgrund des Denkmalsschutzes, der Architektur und der wohnungspolitischen  Situation eine besondere Herausforderung darstellen wird.

Herr Willkomm stellte im Anschluss die Struktur und Aufgaben des BND vor, wichtig ist, dass die Bundesbehörde zur Nachrichtengewinnung im Ausland dient. Aus historischen Gründen gibt es klare Trennung zur Polizei, somit stellt der BND im Gegensatz zu vielen Organisationen anderer Staaten keinen Geheimdienst dar. Täglich werden tausende relevante Informationen zu wichtigen politischen, wirtschaftlichen und technischen Entwicklungen, militärischen Themen oder Bedrohungen für Deutschland im Ausland gesammelt und in diversen Reports dem Bundeskanzleramt, Ministerien, aber auch bei Anfragen an Abgeordnete und Ausschüsse des Bundestages zur Verfügung gestellt. Diese Informationen werden über menschliche Quellen in anderen Ländern (HUMINT), Datenauswertung (SIGINT), Auswertung von Satelliten- und Luftbildern (IMINT) und frei verfügbaren Informationen (OSINT) gewonnen. Bei relevanten Informationen für interne Behörden werden diese u.a. über Koordinierungsstellen weitergegeben wie zum Beispiel über das Gemeinsame Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ).

Ein gemeinsames Abendessen, bei dem viele interessanten Themen betrachtet und Fragen beantwortet wurden, rundete den Besuch ab. Der BND möchte das Image in der Bevölkerung durch erhöhte Transparenz der Bundesbehörde verbessern, da die Mitarbeiter des BNDs dem Recht und Gesetz der Bundesrepublik verpflichtet sind, was an diesem Abend gelungen ist.

Auch wenn unser Besuch in Pullach vielleicht einer der letzten dieser Art hier im Münchner Süden war, so wird es mit dem täglich geöffneten BND Besucherzentrum in Berlin in Zukunft ein für die Welt der Nachrichtendienste einmaliges Projekt geben.


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