Kreishauptversammlung (Wahl) und Vortrag „Brexit – was ist los mit unseren britischen Freunden?“ Dr. Robert Harrison

Am 29.03. hat der FDP Kreisverband München Süd im Alten Wirt Thalkirchen als erster Münchner Kreisverband die Kreishauptversammlung zur Wahl der Delegierten des FDP Bezirks- und Landesparteitages durchgeführt. Für die 12 bzw. 13 Listenplätze bewarben sich über 20 Personen, vor allem Neumitglieder und Frauen zeigten sich hier sehr engagiert. So sind für die nächsten 2 Jahre 50% (Bezirk) bzw. 46% (Land) der gewählten Delegierten Frauen.

Im Anschluss wurde ein sehr spannender Vortrag zum Thema „Brexit – was ist los mit unseren britischen Freunden?“ durch Dr. Robert Harrison, dem Vorstandsvorsitzender der Auslandsgruppe Europa der Liberal Democrats, gehalten. Dr. Harrison, 1961 in London geboren und Patentanwalt, ging in seinem Vortrag auf die historischen Aspekte Großbritanniens ein – auf dem Weg in die EU (Eintritt 1973) und wieder heraus.

Während Großbritannien sich nach dem zweiten Weltkrieg immer mehr als Produktionsstandort in Richtung Finanzservice-Anbieter verabschiedete und in den 60er/70er Jahren von Kolonien profitierte, so sahen vor allem in den ländlichen Bereichen viele „abgehangene Briten“ Europa als „das eigentliche Übel“ an. In Deutschland war dies genau umgekehrt – die Gründung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (Montanunion) im Jahre 1952 war der Grundstein auf dem Weg zurück nach Europa und der Beginn des wirtschaftlichen Aufschwungs. So war es dann auch nicht verwunderlich, dass eine Kampagne „Leave“ am Ende eine knappe, aber eine Mehrheit bekam. Die Menschen in Großbritannien wollten etwas ändern, die alten Pfade verlassen. Die „Fakenews“, die nachweislich falschen Behauptungen von EU Ausgaben und Versprechungen, wie u.a. die „frei werdenden EU Mittel“ u.a. ins Gesundheitssystem zu stecken, beeinflussten in starkem Maße zwar die Brexit Entscheidung – aber trotzdem steht diese Entscheidung.

Derzeit mündet Vieles in der Frage der einzigen Landgrenze zwischen Irland und Nordirland bzw. die Frage der Mitgliedschaft in der Zollunion (ohne Mitspracherecht). Für Großbritannien ist es die einzige Landgrenze und essentiell wichtig. Die Spannungen auf der irischen Insel nehmen wieder zu, so gab es erste Briefbomben, die man in Europa medial noch nicht so wahrnimmt.

Parallelen wurden am Ende bei der Spaltung der Gesellschaft auch in Deutschland gezogen. Letztendlich ist die Entstehung des Brexits ein Aufschrei von den Teilen der Bevölkerung, die sich benachteiligt fühlen. Ähnlich wie 2005 in Großbritannien, wo mehr als eine Million Ausländer (viele aus Polen) innerhalb kürzester Zeit auf die Insel kamen, geschah dies 2015 und den folgenden Jahren in Deutschland. Die Frage nach der „Lessons learned“ aus diesen Erfahrungen entscheidet auch das weitere Schicksal Deutschlands und der anderen EU Partner.

Wie geht es jetzt weiter? Eine vierte Abstimmung (oder mehr) – und dann?

Auch Dr. Robert Harrison konnte darauf keine Antwort geben, auch wenn er um einen Verbleib in der EU froh wäre.

 

 


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